Georg Seltmann - Jahrgangsbester Sägewerksmeister

Holzforum Allgäu e. V. :: Georg Seltmann - Jahrgangsbester Sägewerksmeister
v.l.n.r.: Hr. Lohmeyer (Fa. Scantec), Georg Seltmann, Hr. Hörr (Lehrinstitut Rosenheim); Quelle: Lehrinstitut Rosenheim e.V., Herrn Michael Sauerbiervergrößern

v.l.n.r.: Hr. Lohmeyer (Fa. Scantec), Georg Seltmann, Hr. Hörr (Lehrinstitut Rosenheim); Quelle: Lehrinstitut Rosenheim e.V., Herrn Michael Sauerbier

Meister seines Fachs: Georg Seltmann ist jahrgangsbester Sägewerksmeister

Der Allgäuer Georg Seltmann, Geprüfter Sägewerksmeister aus Buchenberg, hat seine Abschlussprüfung am Lehrinstitut Rosenheim e.V. als Jahrgangsbester seines Fachs abgeschlossen.

Disziplin und Durchhaltevermögen

7 Monate Ausbildung in Vollzeit mit rund 920 Unterrichtsstunden. Vom Himmel ist noch kein Meister gefallen. Georg Seltmann hat sich dennoch dafür entschieden, denn „besonders in unserem kleinen Sägewerk war mir eine Ausbildung im Sägewerksbereich sehr wichtig. Und hier bietet der Sägewerksmeister am Lehrinstitut Rosenheim eine sehr hochwertige und seit Jahrzehnten anerkannte Ausbildung in vergleichsweise kurzer, wenn auch sehr anstrengenden Zeit an“.

Dabei startete Seltmann als Quereinsteiger und begann zunächst mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann. Berufserfahrung als Säger sammelte er im elterlichen Betrieb (Sägewerk Seltmann) in Buchenberg. Diesen möchte er in fünfter Generation erfolgreich weiterführen und dafür war für Seltmann die Ausbildung zum Meister unabdingbar.

Ausgezeichneter Abschluss

Und als solcher darf er sich nun nennen. Mit einer Abschlussnote von 1,3, als Jahrgangsbester und dem SCANTEC Förderpreis an den prüfungsbesten Sägewerksmeister des Lehrinstitut Rosenheim e.V. Ein Resultat, das nicht von ungefähr kommt: „Im Lauf des Lehrgangs hat sich eine Art ´sportlicher´ Wettstreit mit einem Freund in meiner Klasse entwickelt. Den konnte ich dann ganz knapp für mich entscheiden“. Die anstehende Übernahme des elterlichen Betriebs ist in diesem Fall gesichert, doch leider ist das nicht überall so. 

Immer weniger Nachwuchs

Die Sägewerke kämpfen mit Nachwuchssorgen. Der Beruf des Sägers leidet wie viele andere unter dem Trend der Akademisierung sowie dem demografischen Wandel. Viele junge Menschen verlassen den ländlichen Raum und ziehen in die Städte. Hinzu kommt, dass der Beruf des Sägers oft nicht bekannt ist oder falsche Vorstellungen existieren.
Die Arbeit wird oft noch immer als reine Plackerei verstanden. Zwar braucht man eine gewisse körperliche Fitness, technisches Verständnis und der Spaß am Umgang mit Maschinen sind aber mindestens genauso wichtig. Denn in einem Sägewerk steckt mittlerweile jede Menge High-Tech, was den Beruf auch attraktiv für Frauen macht. Allein dieses Jahr waren 16 % der verabschiedeten Sägewerks-Meister weiblich und auch Georg Seltmann würde ohne Vorbehalte eine motivierte Auszubildende einstellen.

Holz ist attraktiv und zukunftssicher

„Wir arbeiten in einer großen Branche mit einem sehr zukunftsfähigen und ökologischen Rohstoff mit zahlreichen Anwendungsbereichen und die Branche bietet vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten in sehr unterschiedlichen Betrieben. Neben großen industriellen auch kleinere, familiär geprägte Betriebe wie unserer“, so Seltmann.  Gerade im Allgäu sei der Beruf des Sägers für ihn nicht mehr weg zu denken: „wir arbeiten mit einem seit Jahrhunderten bewährten […] Rohstoff. Regional ist Holz als Bau- und Werkstoff im alpenländischen Raum seit jeher sehr stark gefragt.“


Informationen zu allen gewerblichen und kaufmännischen Ausbildungsberufen in der Sägeindustrie sowie aktuelle Stellenanzeigen bietet die Internetseite www.itwoodbegood.de des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e.V. (DeSH).

von links nach rechts: Frau Mußotter-Löffler (IHK), Georg Seltmannvergrößern

von links nach rechts: Frau Mußotter-Löffler (IHK), Georg Seltmann

 


Interview mit Georg Seltmann:

War es aufgrund des familiären Hintergrunds schon immer klar, dass sie den Beruf des Sägers ausüben werden oder kam das aus eigenem Interesse?
Dass die Möglichkeit zur Übernahme unseres Sägewerks von meinem Vater Sales Seltmann besteht, war schon klar. Bis zur Entscheidung, ob wir diesen Schritt wirklich gehen,  war es ein etwas längerer Weg. Hier fließen viele Aspekte mit ein: neben der Freude an der Arbeit mit unserem Rohstoff Holz, viel draußen und mit den Maschinen im Sägewerk zu arbeiten, auch viele betriebswirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen und nicht zuletzt auch die Rahmenbedingungen für die Branche und deren langfristigen Zukunftsperspektiven.  Vor allem muss aber auch die Familie mit einbezogen werden und diesen Weg mitgehen. Dies betrifft sowohl meine Eltern, als auch meine Frau und meine zwei kleinen Töchter, für die zwangsläufig weniger Zeit bleibt.  Sie sehen also eine nicht ganz einfache Entscheidung, die langsam reifen muss.


Wie haben sie sich während der Ausbildung geschlagen?
Als Quereinsteiger habe ich meine Ausbildung als Bankkaufmann absolviert und anschließend berufsbegleitend studiert. Berufserfahrung als Säger habe ich im elterlichen Betrieb gesammelt. 
 
Wieso war es für sie wichtig auch noch den Meister zu machen?
Besonders in unserem kleinen Sägewerk war mir eine Ausbildung im Sägewerksbereich sehr wichtig. Und hier bietet der Sägewerksmeister am Lehrinstitut Rosenheim eine sehr hochwertige und seit Jahrzehnten anerkannte Ausbildung in vergleichsweise kurzer, wenn auch sehr anstrengenden Zeit an. 
 
Hätten sie selbst mit so einem erfolgreichen Abschluss gerechnet?
Mein Ziel war vor allem, möglichst viel für die Praxis in unserem Betrieb zu lernen. Im Lauf des Lehrgangs hat sich dann eine Art „sportlicher“ Wettstreit mit einem Freund in meiner Klasse entwickelt. Den konnte ich dann ganz knapp für mich entscheiden…
 
Welche konkreten Chancen und Möglichkeiten erhoffen sie sich in Zukunft als Meister in ihrem Beruf?
Im Fokus steht hier natürlich unseren Betrieb auch in der fünften Generation erfolgreich weiterzuführen. 
 
Könnten sie sich auch vorstellen übergreifender zu agieren und zb. im Verband eine zentrale Rolle einzunehmen?
Im Vordergrund steht natürlich die anstehende Übernahme zuhause. Was sich mittel- oder langfristig darüber hinaus entwickelt wird die Zukunft zeigen. 
 
Was würden sie jungen Menschen raten, die mit dem Beruf liebäugeln?
Eine Ausbildung als erster Schritt nach der Schule ist meines Erachtens die beste Wahl. Unsere duale Ausbildung gewährleistet ein sehr hohe Qualität und eine sehr gute Verknüpfung von praktischen und theoretischen Inhalten. Und die Praxiserfahrung die man während der Ausbildung sammelt ist eine super Grundlage, egal welchen weiteren Weg man danach einschlägt.  Und speziell für die Holzbranche: Wir arbeiten in einer großen Branche mit einem sehr zukunftsfähigen und ökologischen Rohstoff mit zahlreichen Anwendungsbereichen und die Branche bietet vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten in sehr unterschiedlichen Betrieben. Neben großen industriellen auch kleinere, familiär geprägte Betriebe wie unserer. Neben der Begeisterung für große Maschinen und unseren Rohstoff ist auch handwerkliches Anpacken bei vielen Arbeiten gefragt. 
 
Als Säger muss man anpacken können. Würden sie auch Mädchen/Frauen zu dem Beruf raten und wenn ja, warum?
Natürlich. Eine gewisse körperliche Fitness ist unabhängig vom Geschlecht hilfreich. Im Vergleich zu früher erleichtern aber viele Maschinen die Arbeit, gerade was das heben sehr schwerer Lasten betrifft.  Wir haben in unserem Betrieb derzeit einen Auszubildenden und wollen auch in Zukunft gerne wieder ausbilden. Ob einen jungen Mann oder eine junge Frau ist dabei egal. So war übrigens auch in unserer Meisterklasse eine Sägewerksmeisterin dabei!
 
Ist der Beruf (gerade auch hier im Allgäu) aus ihrer Sicht zukunftssicher?
Wie bereits angedeutet arbeiten wir mit einem seit Jahrhunderten bewährten und aus vielen Gründen auch sehr zukunftsfähigen Rohstoff. Neben ökologischen und wirtschaftlichen hat Holz vor allem auch hervorragende technische Eigenschaften.  Regional ist Holz als Bau- und Werkstoff im alpenländischen Raum seit jeher sehr stark gefragt. Dies gilt auch fürs Allgäu.  Darüber hinaus haben wir bei uns viele kleine, örtlich verankerte Betriebe in allen Verarbeitungsstufen und sehr engagierte Zusammenschlüsse wie das Holzforum Allgäu, unsere Allgäuer Sägerrunde und die Holzbörse, die die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und entlang der Wertschöpfungskette fördern.  Auch wenn die Rahmenbedingungen, gerade für kleine Sägewerke nicht immer ganz einfach sind, hat die Branche meines Erachtens, gerade in unserer Region gute Zukunftsaussichten und bietet somit auch gute Arbeitsplätze. 
 
In welche Richtung steuern die Sägewerke hier im Allgäu aus ihrer Sicht?
Die Unternehmen haben sich meist auf bestimmte Tätigkeitsbereiche und Produkte spezialisiert. Sich auf bestimmte Nischen oder Bereiche zu spezialisieren und hier die Fertigungstiefe zu erhöhen wird auch in Zukunft wichtig sein. Besonders aufgrund der vielfältigen Konkurrenz zu traditionellen Sägewerksprodukten sowohl aus der Holzbranche als auch von außerhalb der Branche. Diese Entwicklung wird sich wohl auch weiter fortsetzen. Hier wird jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden müssen. 
 
Mit welchen Problemen muss sich die Branche künftig auseinander setzen?
Neben den oben genannten Herausforderungen wie Substitutionsprodukte, dem viel zitierten Fachkräftemangel etc. gibt es auch viele weitere Punkte wie Versorgungssicherheit beim Rundholz, Anforderungen durch zahlreiche Normen, häufig hohe Anforderungen bei der Brandversicherung…
 
Was ist für sie das Besondere am Werkstoff Holz?
Es ist ein nachwachsender, ökologischer Werkstoff mit hervorragenden technischen Eigenschaften wie z.B. einer hohen Tragfähigkeit, einer geringen Wärmeleitfähigkeit oder beim Brandschutz.  Jedes Stück Holz hat andere Eigenschaften und Merkmale. Hier sind viel Erfahrung und ein geschultes Auge erforderlich um die verschiedenen Rundholzstämme für die jeweils passenden Sortimente einzuteilen um neben einer hohen Mengenausbeute auch eine qualitativ hochwertige Ware zu erhalten. 
 
Was lieben sie an ihrer Arbeit?
Ich bin inzwischen fast immer draußen an der frischen Luft bei uns im Betrieb oder im Wald, was ich im Vergleich zu meiner früheren Arbeit als Bankkaufmann sehr schätze. Außerdem sieht man das Ergebnis der Arbeit sehr schön – zuerst in Form des fertigen Schnittholzes und später im verarbeiteten Zustand z.B. als Dach einer Halle, als Balkongeländer, als Zaun…
 
Wenn sie einen Tag einen anderen Beruf ausüben könnten, welcher wäre dies?
Interessant wäre sicherlich ein noch tieferer Einblick in die angrenzenden Stufen der Wertschöpfungskette wie Forst oder Holzbau.  Aber im Moment freue ich mich vor allem wieder daheim im Betrieb arbeiten zu können und vor allem wieder mehr Zuhause bei meiner Familie zu sein.

 

Vielen Dank Georg Seltmann für das herzliche Interview und herzlichen Glückwunsch vom Holzforum Allgäu!

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