Mit Holzbau auf den Gipfel

Holzforum Allgäu e. V. :: Mit Holzbau auf den Gipfel
Forstdirektor Klaus Dinser erklärte den Journalisten an mehreren Beispielen die verschiedenen Funktionen des Waldes. vergrößern

Forstdirektor Klaus Dinser erklärte den Journalisten an mehreren Beispielen die verschiedenen Funktionen des Waldes.

Mit Holzbau auf den Gipfel

proHolz Bayern Pressefahrt bei Sonne, Regen, Wind und Schnee auf das Nebelhorn

Am Donnerstag, den 14.09.2017 fand die erste proHolz Bayern Pressefahrt statt. Unter dem Motto „Mit Holzbau auf den Gipfel“ wurde das neu in Holzbauweise errichtete Gipfelrestaurant auf dem Nebelhorn mit Journalisten besichtigt. Der Berg machte dabei seinem Namen alle Ehre.
 
9:30 Uhr: Motivierter Start bei Sonnenschein

Der Tag begann mit einer Waldführung durch Forstdirektor Klaus Dinser vom AELF Kempten bei strahlendem Sonnenschein. Herr Dinser erläuterte an verschiedenen Beispielen die unterschiedlichen Funktionen des Waldes. Er sei Kraftwerk, Rohstoff, Bollwerk, Lebensraum, Spielwiese und Therapiezentrum in einem. Kraftwerk daher, da die Bäume das schädliche Gas CO2 in Sauerstoff umwandeln und mit Holz einen Allround-Rohstoff produzieren. Im Allgäu wachsen die Bäume langsamer aufgrund der Höhe und der Bodengegebenheiten. Ihr Holz hat daher eine besonders hohe Qualität. Die Bäume bieten den im Tal liegenden Ortschaften zudem Schutz vor Lawinen und Muren Abgängen sowie vor Steinschlag. Daher sei es laut Herrn Dinser wichtig den Wald zu bewirtschaften, damit er strukturiert, stabil und baumartenreich bleibt und nicht durch Ereignisse wie Sturm oder Borkenkäfer flächig geschädigt wird. Der Naturschutz darf dabei nicht auf der Strecke bleiben und wird von Forstseite aktiv gefördert, wie Herr Dinser den Teilnehmern am Beispiel eines Waldameisen Hügels zeigte. Relativ neue Funktionen des Waldes sind die der Spielwiese und des Therapiezentrums. So finden laut Herrn Dinser in Bergregionen mittlerweile rund 80 Prozent der Freizeitaktivitäten im Wald statt. Japanische Studien zeigten zudem, dass ein Waldspaziergang das Krebsrisiko senken kann.
 
12:00 Uhr: Nebelhorn – nomen est omen

Gestärkt durch die gesunde Waldluft und gefüttert mit dem Wissen wie der Baustoff Holz produziert wird, ging es mit der Seilbahn hinauf zum Gipfel. Während der Seilbahnfahrt merkten die Teilnehmer bereits: Das Nebelhorn hat seinen Namen nicht zu unrecht. Der Berg hüllte sich in dichte Wolken, sodass das Bergpanorama nicht zu sehen war. Das tat der Architektenführung durch das Gipfelrestaurant von DI Stefan Hiebeler aber keinen Abbruch. Herr Hiebeler erläuterte die Gründe das Gebäude in Holzbauweise zu errichten. Da keine Straße zum Gipfel führt, waren die Baufirmen beim Materialtransport auf die Seilbahn und den Hubschrauber beschränkt. In die Gondeln passen nur Bauteile in Euro-Palettengröße und der Hubschrauber konnte nur Lasten mit einem Gewicht von maximal 900 Kilogramm auf den Gipfel fliegen. Oberste Prämisse war es daher Gewicht zu sparen. Bei solchen Herausforderungen ist Holz der ideale Baustoff. Weitere Anforderung an die Planer war das Gebäude innerhalb von einer Sommersaison zu bauen, um die Wintersaison mit geöffnetem Gipfelrestaurant an Weihnachten beginnen zu können. Daher war es notwendig die Bauteile zu einem möglichst hohen Grad im Tal vorzufertigen, um Bauzeit zu sparen. Auch das ist mit Holz problemlos möglich. Der Zeitplan wurde dadurch eingehalten und innerhalb von nur acht Monaten konnte das Gebäude neu errichtet werden. 

 

Architekt Stefan Hiebeler erklärte wie es möglich war trotz der exponierten Lage den Bau in nur 8 Monaten fertigzustellen.vergrößern

Architekt Stefan Hiebeler erklärte wie es möglich war trotz der exponierten Lage den Bau in nur 8 Monaten fertigzustellen.

13:30 Uhr: Schnee statt Bergblick

Im Laufe des Tages zeigte sich, dass Holz auch wechselnden und widrigen Witterungsbedingungen standhalten kann. Innerhalb weniger Stunden fielen die Temperaturen und es begann zu schneien. Der konstruktive Holzschutz des Gebäudes konnte so sein ganzes Können unter Beweis stellen.
 
Zum Abschluss der Pressefahrt fand für die teilnehmenden Journalisten eine Expertenrunde zum Thema Forst- und Holzwirtschaft im Kaminzimmer der Bergstation Höfatsblick statt. Dr. Tanja Haas-Lensing von der Haas GmbH & Co. Beteiligungs-KG, Architekt DI Stefan Hiebeler und Forstdirektor Klaus Dinser diskutierten mit den Anwesenden. Klaus Dinser wies auf die hohe Wichtigkeit von regionalem Holz hin. Holz müsse Holz der kurzen Wege sein, damit es seine vielen Vorteile optimal ausspielen kann. Das Allgäu sei hier mit der PEFC-Regionallabel „Heimisches Holz aus dem Allgäu“ eine Vorbildregion.
 
Dr. Tanja Haas-Lensing führte aus, dass Holz als Baustoff mittlerweile bei den Verbrauchern angekommen ist. Vorurteile wie „Holz brennt“ oder „Holz ist nicht dauerhaft“ gehören der Vergangenheit an. Auch setzen immer mehr Hotels und Gaststätten auf Neubauten aus Holz, mit denen sie aktiv werben. Das zeigt, dass Holz als wohngesunder und nachhaltiger Baustoff mit einer hohen Energieeffizienz erkannt wurde. Die Frage vieler potentieller Bauherren ist laut Frau Dr. Haas-Lensing eher, ob man sich Holz leisten könne. Hier hat der Holzbau dank Standardisierung und Vorfertigung schon leistbare und wettbewerbsfähige Lösungen entwickelt.

Stefan Hiebeler zeigte auf, dass der moderne Holzbau weitere Leuchtturmprojekte wie das Nebelhornbahn Gipfelrestaurant realisieren kann. Er appellierte an die Verantwortlichen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammenzuarbeiten, um den Baustoff Holz weiter nach vorne zu bringen.
 
15:00 Uhr: Abschied im Regen Nach der Expertenrunde stiegen die Teilnehmer bei Schneefall in die Gondel ein, um sie im Tal bei Regen zu verlassen. Trotz des ungünstigen Wetters blieb ein bleibender Eindruck. Zum einen von den sich schnell ändernden Witterungsbedingungen im Gebirge. Zum anderen davon wie gut Bergwald und Holzbau damit zurechtkommen. Daher bleibt als Fazit: Wir kommen wieder – aber das nächste Mal bei schönem Wetter.

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